MYTHOS #2: „Mehr als die zwei Vätermonate sind finanziell nicht drin.“

Nicht ohne Grund hat die ZEIT deutsche Männer einst als „Zweimonatsväter“ bezeichnet: Knapp ein Drittel der Väter in Deutschland nimmt Elternzeit. 80 Prozent davon allerdings lediglich zwei Monate. Und das, obwohl sich laut einer forsa-Studie im Auftrag der Zeitschrift Eltern fast die Hälfte der befragten Väter mehr Zeit für die Familie wünscht.

Ein wichtiger Grund vieler Männer – wie auch Frauen – gegen eine längere Elternzeit von Vätern ist, dass sie es sich finanziell nicht leisten können. Deren Argumentation geht so: Verdient der Mann mehr als seine Partnerin, ist die Variante 12 + 2 am lukrativsten. Jede andere Aufteilung würde finanzielle Einbußen bedeuten. Das klingt auf den ersten Blick einleuchtend – ist aber nur die halbe Wahrheit.

Denn Elterzeit bringt für Väter viele Vorteile: Sie nehmen an der Entwicklung ihres Kindes teil und sind dabei, wenn es das erste Mal lacht, die ersten Gehversuche unternimmt und das erste Wort sagt – und erfahren es nicht aus Erzählungen. Sie bauen eine so intensive Beziehung zum Kind auf, dass es nicht die Mama braucht, wenn es beruhigt oder getröstet werden will. Und sie erhöhen die finanzielle Sicherheit der Familie, indem sie ihrer Partnerin durch das Teilen der Elternzeit eine eigene Karriere jenseits des Herdes ermöglichen. Schließlich sind zwei Ernährer besser als einer.

Die beiden Vätermonate reichen jedoch nicht aus, um der Partnerin einen schnellen beruflichen Wiedereinstieg zu ermöglichen. Dies hat Dietmar Hobler vom Berliner Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTr) in einer, von der Hans-Böckler-Stiftung unterstützten Studie herausgefunden. Sein Ergebnis: Väter unterstützen das berufliche Fortkommen ihrer Partnerinnen nur mit einer längeren Elterngeldzeit.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen Wissenschaftler von der Norwegian Business School in Oslo. Sie haben untersucht, ob die 1993 in Norwegen eingeführten vier Väterwochen zu mehr Gleichberechtigung zwischen Männer und Frauen in der Arbeitswelt führen. Ihr Ergebnis ist wenig überraschend: Weder die Arbeitszeiten noch die Löhne von Vätern und Müttern haben sich angeglichen.

Einen wichtigen Beitrag zum schnellen Wiedereinstieg von Vätern und Müttern in den Job kann das Elterngeld Plus leisten. Die Neuregelung gilt für Eltern, deren Kinder ab dem 1. Juli 2015 geboren werden und macht es Familien einfacher Elterngeldbezug und Teilzeitarbeit miteinander zu kombinieren. Und das geht so: Arbeiten Eltern nach der Geburt ihres Kindes in Teilzeit, können sie länger als 14 Monate Elterngeld beziehen. Und zwar maximal doppelt so lange wie bisher, denn ein Elterngeldmonat entspricht dann zwei ElterngeldPlus-Monaten. Die Höhe des ElterngeldPlus beträgt entsprechend monatlich maximal die Hälfte des Elterngeldes, das den Eltern ohne Teilzeiteinkommen nach der Geburt zustünde.

Bildquelle: Flickr, Simon (https://www.flickr.com/photos/ranger82/2716751092/in/photostream/)

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT