Wie erleben Väter ihre Elternzeit? Das war die Forschungsfrage, die ein Forschungsteam der RWTH Aachen im Rahmen einer Studie untersucht hat. Dabei stand die Frage im Fokus, inwieweit sich die „Väter-Freundlichkeit“ der Organisation, in der der Vater arbeitet, auf die Sorgen von Vätern während ihrer Elternzeit und ihr Wohlbefinden in dieser Zeit auswirken. Ebenso beleuchtet wurde dabei die Angst vor einem Karriereknick. Wir sprachen mit Dr. Lisa Horvath und David Soumagné zu den bis dato bestehenden Ergebnissen.

spielplatzfreunde.com: Wer hat bei ihrer Studie mitgemacht?

Dr. Lisa Horvath: „Insgesamt haben sich über 150 Väter aus Deutschland und Österreich beteiligt. Mit so einer regen Beteiligung hatten wir ursprünglich gar nicht gerechnet. Mit fast einem Viertel der Teilnehmer stellen Männer, die nur zwei Vätermonate nehmen, die größte Gruppe dar. Aber immerhin jeder zehnte Vater befand sich zum Zeitpunkt der Befragung in einer 12-monatigen Elternzeit. Diese breite Verteilung sorgt für eine hohe Repräsentativität der Studie. Dafür spricht auch, dass 68 Prozent der Teilnehmer einen Universitätsabschluss haben. Denn in Deutschland und Österreich nehmen hauptsächlich Väter mit einem höheren Bildungsstand Elternzeit.“

Wie haben sie die Väter für ihre Studie gefunden?

David Soumagné: „Wir haben beispielsweise deutschlandweit Elterngeldstellen kontaktiert. Die Ämter waren ausgesprochen hilfsbereit, haben Flyer ausgelegt und Väter sogar direkt angesprochen und auf die Studie verwiesen. Über das Internet haben wir Väter-Plattformen und -Organisationen kontaktiert, die für unsere Studie geworben haben. Zudem haben wir Flyer auf Kinderflohmärkten verteilt. Zuerst nur an Väter, was allerdings wenig erfolgreich war. Vielversprechender war es dagegen Frauen anzusprechen. Sie waren häufig gerne bereit, Bekannte auf die Studie aufmerksam zu machen oder Flyer in Kindergärten auszulegen.“

Was war die Motivation für Ihre Studie?

Dr. Lisa Horvath: „Es gibt viele Studien, die beleuchten, was Elternzeit-Väter und ihre Lebensumstände charakterisiert. Auch zu den Auswirkungen von Elternzeit auf die Karriere von Vätern gibt es bereits Forschungsarbeiten. Allerdings gibt es bislang keine größere Studie die beschreibt, wie es den Vätern während der Elternzeit geht. Unsere Studie untersuchte mit einer Tagebuch-Befragung 150 Väter in Deutschland und Österreich. Wir wollten herausfinden, inwieweit sich Väter Sorgen über laufende Projekte und einen Karriereknick machen. Auch interessierte uns, wie oft Elternzeit-Väter in Kontakt mit ihrem Arbeitgeber stehen. Denn gerade Väter, die nur zwei Monate Elternzeit machen, bekommen häufig keine Vertretung, sondern deren Arbeit wird im Team aufgeteilt oder bleibt liegen. Aber natürlich haben uns nicht nur die Sorgen der Väter um ihre Arbeitssituation interessiert – das wäre sehr klischeehaft. Wir wollten ebenso herausfinden, wie glücklich es die Väter macht, zuhause mit dem Kind Zeit zu verbringen und was das Glück noch steigern kann.“

Zu welchen Ergebnissen sind sie gekommen?

Dr. Lisa Horvath: „Ein ganz entscheidender Faktor für die arbeitsbezogenen Sorgen, die sich Väter in Elternzeit machen, ist die Organisationskultur. Das bedeutet, dass sich Väter, die bei Organisationen arbeiten, die einer väterlichen Elternzeit positiver gegenüberstehen, deutlich weniger Sorgen machen, als Väter, die bei traditionelleren Organisationen tätig sind. Das heißt konkret, dass Väter, deren Arbeitgeber sie darin unterstützen Elternzeit zu machen, weniger Angst um ihren Wiedereinstieg haben und seltener ein schlechtes Gewissen haben, weil sie vom Arbeitsplatz weg sind.“

Hat Führungsverantwortung eine Auswirkung auf das Wohlbefinden während der Elternzeit?

Dr. Lisa Horvath: „Ja, das ist tatsächlich so. Wir haben herausgefunden, dass es Vätern mit Führungsverantwortung während ihrer Elternzeit nicht ganz so prima geht, wie Vätern mit weniger oder keiner Führungsverantwortung. Das liegt eventuell daran, dass von Führungskräften eigentlich erwartet wird, dass sie keine berufliche Auszeit zur Betreuung ihrer Kinder nehmen. In einer anderen Studie haben wir herausgefunden, dass Väter mit viel Führungsverantwortung ihre Elternzeit eher verkürzen als Väter mit weniger Führungsverantwortung.“

Viele Väter haben Angst vor einem Karriereknick durch Elternzeit. Hat die Organisationskultur darauf einen Einfluss?

Dr. Lisa Horvath: „Auf jeden Fall! In familienfreundlicheren Unternehmen machen sich Väter grundsätzlich weniger Sorgen um einen Karriereknick als in traditionelleren Unternehmen. Denn familienfreundliche Arbeitgeber ermöglichen es Vätern von zu Hause aus zu arbeiten, bieten Gleitzeitregelungen und sorgen für eine Vertretung währen der Elternzeit.“

Ist die Angst vor einem Karriereknick besonders groß bei Vätern, die lange Elternzeit machen?

Dr. Lisa Horvath: „Interessanterweise steht die Länge der Elternzeit nur in traditionelleren Unternehmen mit der Angst von Vätern vor einem Karriereknick in Zusammenhang. Dort gilt: Je kürzer die Elternzeit, desto größer sind die Sorgen um die Karriere. Vermutlich ist es so – und das ist ja auch logisch – dass Väter, die sich große Sorgen um ihre Karriere machen, entweder gar keine oder nur eine ganz kurze Elternzeit machen.“

Das Forschungsteam der RWTH Aachen besteht aus Dr. Lisa Horvath, David Soumagné, Prof. Bettina Wiese und Dipl. Psych. Thorana Grether. Finanziert wird das Forschungsprojekt durch den Schweizer Nationalfonds. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage zum Projekt.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT